Home

Nigerias kulturelles Erbe ist ein Gewebe aus Geschichte und Vielfalt, Legende und Eroberung. Touristen, die das Land besuchen, werden Einblicke in eine glorreiche Vergangenheit und eine viel versprechende Zukunft gewinnen, umgeben von der natürlichen Schönheit dieses vielgestaltigen Landes.

Mit diesen Worten wirbt die Website der nigerianischen Botschaft in Berlin für ihr Land. Matthias Groebel hat Nigeria nicht als Tourist besucht. Im Sommer 2007 bereiste er das Land quasi inkognito und "eingebettet" in ein Team von Mitarbeitern der Weltbank, das vor Ort die ökonomischen Beziehungen zwischen den Produzenten und den Händlern von Cassava-Wurzeln untersuchte. Die Videoaufnahmen, die Groebel während dieser Reise machte, bilden das Ausgangsmaterial der in der Ausstellung gezeigten Arbeiten. Die digitalen Bilder wurden mittels einer computergesteuerten Maschine, die Groebel Anfang der 1990er Jahre entwickelte, mit Farbe auf Leinwand aufgetragen und anschließend durch manuell ausgeführte - ungegenständliche, gleichwohl durch Licht- und Schatteneffekte räumlich wirkende - Passagen weiter bearbeitet. Dadurch entstehen "Sprünge in der Wahrnehmung" (P. Florenski) und eine visuelle Komplexität, die die Frage nach den möglichen Lesarten der Bilder - als Wirklichkeitsbeschreibung oder autonome Bildwirklichkeit, als Infragestellung des Dokumentarismus und des europäischen Blicks - aufwerfen.